European Seniors Team Championchip 2016

Mit einer bärenstarken Vorstellung spielen sich die deutschen Herren bei der Senioren-Team-EM in Slowenien auf den zweiten Platz.

Im Finale gegen Schottland lieferte sich das Team um Kapitän Thomas Hübner packende Duelle, unterlag am Ende jedoch mit 1,5 : 3,5.

Die Senioren-Team-EM der Herren fand in diesem Jahr im Diners Golf & Country Club nahe der slowenischen Hauptstadt Ljubljana statt. Die deutsche Seniorenauswahl traute sich im Vorfeld durchaus zu, um die Medaillenränge mitzuspielen und möchte mit einem möglichst guten Abschneiden vor allem den zwölften Platz aus dem Vorjahr ganz und gar zu den Akten legen.
Um es vorweg zu nehmen: Dieses Ziel haben die Herren um Kapitän Thomas Hübner rundherum erreicht. Aber der Reihe nach: Nach einer starken Vorstellung in der Zählspielqualifikation lag das deutsche Team mit 733 Schlägen auf einem guten vierten Platz und ließ lediglich die Golfsport-Nationen Irland (710 Schläge), Schottland (723 Schläge) und England (726 Schläge) an sich vorbei.
Die Qualifikation für den Flight A war damit erfolgreich und im Kampf um die Medaillenränge gab es eine entscheidende Hürde weniger.

Entscheidungen am letzten Loch
Nun folgte eine Spielform, die immer wieder für Spannung, schnelle Wendungen und Golfsport-Feeling in Reinform sorgt: Der Matchplay-Modus.
In einem nervenaufreibend engen Viertelfinale gegen Schweden gewannen die deutschen Senioren mit 3:2. Dabei konnten die Schweden ihre Punkte vorzeitig sichern. So musste Christoph Stadler (G&LC Semlin am See) seinen Punkt mit 5&4 früh abgeben. Karlheinz Noldt (GC Hamburg-Wendlohe) unterlag an Bahn 17 mit 2&1. Die drei weiteren Matches mussten zugunsten der Deutschen ausgehen, wenn sie weiterkommen wollten.
Und alle drei wurden an Bahn 18 entschieden. Hier konnten Veit Pagel (Hamburger GC) und Ekkehart Schieffer (Westfälischer GC Gütersloh) im Vierer sowie Martin Birkholz (Krefelder GC) )und Thomas Krieger (GC Heddesheim-Neuzenhof) in ihren Einzeln die Punkte holen. Und hier an diesem Schicksals-Grün sollten im Verlauf des Turniers noch weitere wichtige Entscheidungen fallen.
Auch das Halbfinale gegen Italien gewannen die Deutschen, dieses Mal mit 3,5:1,5. Dabei war dieses Match am Ende spannender, als das Ergebnis es vermuten lässt. Karlheinz Noldt schlug Marco de Rossi früh mit einem satten 5&4. Fast zeitgleich verlor Birkholz seinen Punkt mit 4&3 an Gianluca Bolla. Thomas Krieger gelang mit 4&3 wieder ein Sieg und die deutschen Herren lagen mit 2:1 vorne. Und nun wurden die Matches eng. Der Punkt aus der Vierer-Partie wurde bis zur 18. Bahn umkämpft. Und das Glück sollten auf der Seite der Deutschen sein, denn wieder sicherten Pagel und Schieffer an diesem letzten Loch ihren Punkt aus dem Vierer. Den weiteren halben Punkt konnte Stadler mit seinem geteilten Match gegen Federico Lang beisteuern.
Mit diesen zwei gewonnenen Matchplayrunden zogen die Deutschen in das Finale gegen die starken Schotten. Die hatten ihrerseits Frankreich und England aus dem Rennen geworfen. Und dass sie individuelle Klasse haben, zeigten sie bereits im Zählspiel-Modus eindrucksvoll. Ganze vier schottische Spieler schnitten hier in den Top Ten ab. Auf die Deutschen wartete also eine richtig harte Nuss.

Vorahnungen
Der finale Spieltag startete mit einer Verspätung von 45 Minuten, denn der Nebel hing noch tief über den Spielbahnen des Turnierplatzes. Nach dem Start verlief das Match ausgeglichen und noch im Laufe der zweiten Spielhälfte hieß es für die Ergebnis-Projektion „all square“. So sollte es jedoch gewiss nicht bleiben. Die erste Partie wurde von Christoph Stadler an Bahn 16 zugunsten der Deutschen entschieden. Er besiegte seinen Gegner Ronnie Clark mit 3&2.
Dennoch war die Ergebnisvorschau zu diesem Zeitpunkt gekippt und lag bei 3,5:1,5 für Schottland. Eine Vorahnung? Als nächstes Match sollte denn auch die Partie zwischen Martin Birkholz und Graham Bell mit 2&1 an den Schotten fallen. Und auch den Vierer, mit dem die Deutschen in den vorangegangenen Partien stets einen vollen Punkt sichern konnte, mussten Veit Pagel und Ekkehart Schieffer am letzten Loch knapp abgeben. Die Entscheidung sollte also in den beiden letzten noch verbleibenden Einzeln fallen. Und wieder deutete alles auf ein Showdown an der 18. Bahn, einem Par 5, hin.
Thomas Krieger spielte sein Match gegen Nick Robson und der Heddesheimer lag 1unter, als es auf die letzte Bahn ging. Der Abschlag des Schotten landete in einem Fairway-Bunker. Ob das der entscheidende Vorteil für Krieger war? Der wusste seine Chance jedenfalls bestmöglich zu nutzen und transportierte seinen Ball mit dem zweiten Schlag auf das Grün. Aber dann war Robson am Zug. Und der zeigte, dass er dieses Loch noch lange nicht verloren hat. Denn obwohl er aus dem Bunker schlug und noch 210 Meter bis zum Grün hatte, platzierte er seinen Ball eben genau da: auf dem Grün. Routiniert lochten die beiden Kontrahenten ihre Birdie-Putts und zeigten damit starkes Golf bis zum Ende. Nur der Ausgleich gelang Thomas Krieger somit nicht mehr - und so musste der Benjamin unter den Senioren seinen ersten Punkt in diesem Turnier verloren geben.
Beim Stand von nunmehr 1:3 war die Entscheidung zugunsten Schottlands gefallen. Die noch spielende Partie zwischen Karlheinz Noldt und Ian Brotherston hatte auf das Endergebnis keinen Einfluss mehr, sie wurde halbiert. Dabei hatte sich Noldt, der an Bahn 14 noch 3 unter lag, mit einem wahnsinnig starken Finish und gewonnenen Löchern an 15, 16 und 17 zu einem all square zurückgekämpft. Aber der Sieg der Schotten stand unumwunden fest. Und die frühere Ergebnis-Projektion mit 3,5:1,5 sollte am Ende tatsächlich auch das Endergebnis darstellen.

Hochverdientes Silber
Eine Niederlage zum Schluss ist nie leicht wegzustecken, aber das Team um Kapitän Thomas Hübner hat sich in dieser Mannschafts-Europameisterschaft wacker geschlagen. Selbst am Finaltag zeigten sich die Deutschen gegen ein starkes schottisches Team bis zum Ende auf höchstem Niveau. Ein hochverdientes Silber ist der Lohn für diese Vorstellung. Und auch Kapitän Hübner zieht am Ende ein positives Fazit: „Alle drei Matches, die wir hier hatten, waren sportlich und sehr freundschaftlich. Der Spirit of the Game war immer und überall zu spüren. Wir haben zwei Mal am 18. Loch gewonnen, heute haben wir am 18. Loch verloren. Aber wir haben unheimlich starke Mannschaften hinter uns lassen können und sind daher mit Silber hoch zufrieden.“

http://www.ega-golf.ch/content/european-senior-mens-team-championship

Karlheinz Noldt
28.09.2016